Freitag, 2. September 2011

Teetrinker der Woche - Heute: Stephan Kockmann

Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist er im westfälischen Münster. Nach dem Abitur und einer Buchhandels-Lehre hat er dort fast ein Jahrzehnt als Buchhändler gearbeitet. Mitte 1999 ergab sich für ihn die Chance, in ein bundesweit tätiges IT-Unternehmen zu wechseln. Seit Ende 2008 ist er – immer noch in Münster – beim Aschendorff-Verlag angestellt, wo er unter anderem einige Online-Projekte betreut.
I
m Jahr 1999 entstand die eigenständige Plattform „ZumTee.de“, die kurz später durch sein erstes Blog „Info.ZumTee.de“ ergänzt wurde. Heute lebt er seine Begeisterung für die Tee-Welt unter anderem im
Tee-Tagebuch.de aus. 
Ziehzeit: Man kann mittlerweile behaupten, dass du als einer der aktivsten Teetrinker im Bereich Social Networking (Facebook, XING, Blog, Google+) unterwegs bist. Wie ist es zu dieser Entscheodung gekommen?
Stephan Kockmann: Das war kein vorgeplanter Weg und keine einzelne Entscheidung, sondern eine aus meiner Neugier entstandene Entwicklung. Tee hat mich immer schon in meinem Leben begleitet, daher auch mein Motto „Ein Tag ohne Tee ist ein verlorener Tag.“ Und das Internet ist eine faszinierende, ganz eigene Welt, in der es so vieles zu entdecken gibt.

Begonnen hat alles mit meinem Projekt „ZumTee.de“, wo ich - für mich und andere - grundlegende Informationen rund um das Thema Tee sammeln wollte. Da mir die ursprüngliche Website irgendwann zu statisch wurde, suchte ich nach einer flexibleren Lösung und fand im Bereich der Blog-Software passende Programme und Plattformen.

Ende 2008 meldete ich mich aus beruflichen Gründen bei Xing (Xing-Profil:
http://zumtee.de/go/xing/) an und stellte fest, dass ich da viele bekannte Gesichter wiederfand und neue Tee-Kontakte knüpfen konnte.
Mehr durch Zufall und aus Neugier unternahm ich dann meine ersten Schritte bei Twitter (
http://twitter.com/teefreunde) und Facebook (http://www.facebook.com/Teefreund) – und war überrascht, wie dynamisch sich mein Netzwerk aus Teefreunden entwickelte. So lag der sehr spontane Entschluss, vor einem knappen Jahr die Gruppe „Teefreunde“ und kurz später die „Tee-Shop-News“ bei Facebook zu gründen, im Rückblick betrachtet doch sehr nah.
Und heute freue ich mich, dass aus meiner spontanen Entscheidung eine der in meinen Augen aktivsten und qualitativ besten Diskussionsgruppen zum Thema Tee erwachsen ist. Dafür an dieser Stelle von mir ein herzliches Dankeschön an alle Teefreunde, die diese Gruppe zu dem machen, was sie heute ist!

Die Entwicklungen bei Google+ beobachte ich mit großer Neugier und sammle dort erste Erfahrungen. Wer Lust hat, kann mich dort gerne in seine Kreise aufnehmen:
http://zumtee.de/+ 


Ziehzeit: Ist dieses Medium wirklich geeignet, den Teetrinker, der ja klassisch als eher konservativ eingeschätzt wird, zu erreichen?
Stephan Kockmann: Sind Teetrinker wirklich so konservativ, zurückhaltend und „verstaubt“, wie es deine Frage impliziert? Ich habe andere Erfahrungen gemacht – Teetrinker sind aktiv, kommunikativ, entspannt, lebendig, bewusste Genießer, weltoffen und neugierig. Zumindest sehe ich die Teefreunde so. Und wenn ich mir anschaue, wer heute alles das Internet nutzt, vom Schüler bis hin zum „Silver Surfer“ – ja, das Internet erreicht einen großen Teil der Menschen weltweit und damit auch jede Menge aktive und potenzielle Teetrinker.
Und um dieses Bauchgefühl mit Zahlen zu belegen: Laut
www.ard-zdf-onlinestudie.de sind inzwischen fasst 75% der Deutschen „online“, 2010 waren es „nur“ knapp 70%. Aktuell nutzen also über alle Altersgruppen gesehen drei von vier Deutschen das Internet zumindest gelegentlich - und die Nutzerzahlen wachsen weiter.
Informationen und Angebote konnten noch nie so schnell und einfach verbreitet werden – und nie war es leichter für den einzelnen Menschen, jederzeit an weltweiten Diskussionen teilzunehmen, Informationen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen. Das Internet gehört inzwischen zum Alltag, selbst unterwegs reißt dank Smartphone und mobilem Internetzugang der Informationsfluss nur selten ab. Und gerade die junge Käuferschicht kann zu fast 100 Prozent online angesprochen werden.

Das Internet bietet ganz andere Möglichkeiten, Zugang zum Tee zu finden. Ich kann ganz bequem die verschiedenen Angebote vergleichen, mich über Tee informieren, mir meinen Tee aussuchen, bestellen oder sogar eigene Teemischungen anfertigen lassen. Ich kann mich an Diskussionen rund um Tee beteiligen oder einfach nur mitlesen und dazulernen. Und ich bin überzeugt, dass viele Teefreunde diese Möglichkeiten zumindest als Ergänzung zur guten Beratung in ihrem Lieblings-Teeladen zu schätzen wissen. 
 


Ziehzeit: Warum verhält sich der Dt. Tee-Großhandel was diese neuen Medien betrifft noch so reserviert?
Stephan Kockmann: Das ist eine Frage, die du dem Tee-Großhandel stellen solltest. Aber muss tatsächlich der Tee-Großhandel die Initiative ergreifen? Deren Kunden sind doch die Tee-Händler, weniger die Endkunden. Und im B2B-Bereich sind Facebook und Co. weniger angebracht.
Sicher wäre es schön, wenn es neben den oft zaghaften Bemühungen des Deutschen Teeverband e.V. eine aktive und attraktive Anlaufstelle als verlässliche Informationsquelle zum Thema Tee gäbe. Aber andererseits gibt es viele Teehändler, die mit ihren Aktivitäten rund um den Tee auf die neuen Kommunikationswege setzen. Als Beispiele seien hier nur die Facebook „Tea-Queen“ von TeeGschwendner genannt und das Mitmach-Angebot „
Tea Taster“ bei PureTea.
Die vorhandenen Informationsangebote sind so breit gestreut und vielfältig wie der Tee – und so gibt es eben diverse Anlaufstellen. Für (fast) jeden Geschmack ist etwas dabei. Manche dieser Angebote sind zwar leider eher billigster Beuteltee, andere dafür aber Blatt-Tees höchster Qualität. Es gibt schon eine ganze Reihe schöner Tee-Informationsseiten (Blogs, Websites, Social-Media-Seiten, Wikipedia-Einträge). Und es gibt eine ganze Reihe toller Tee-Online-Shops (siehe
http://www.tee-tagebuch.de/p/tee-shops.html). So kann sich jeder seinen eigenen kleinen Tee-Informations-Strauß zusammenstellen.   


Ziehzeit: Verglichen beispielsweise mit den USA ist die deutsche Tee-Szene ja noch relativ klein und jung. Wie schätzt du das hier vorhandene Potential ein?
Stephan Kockmann: Das Potenzial ist groß – vermutlich wird die deutschsprachige Tee-Szene rein sprachbedingt nie eine weltweite Bedeutung erlangen. Aber umso spannender und lebendiger sind oft die Diskussionen, die entstehen. Und die Qualität der Beiträge und Informationsangebote muss sich auch international nicht verstecken. - So habe ich mich sehr gefreut, als im Juni ein englischsprachiger Blogbeitrag zum Thema „Deutsche Tee-Blogs“ erschien:http://lahikmajoedrinkstea.blogspot.com/2011/06/kraut-teabloggging.html
Nicht zuletzt bietet sich online die Möglichkeit, das verstaubte und gesundheitsfixierte Image des Tees abzulegen. Tee macht Spaß, schmeckt gut und ist – trotz seiner uralten Geschichte – ein ewig junges, frisches und erfrischendes Getränk!
 


Ziehzeit: Steht den sozialen Medien zum Thema Tee in Hinsicht auf Steigerung des Konsums und Absatzes in Deinen Augen eine ernstzunehmende Rolle zu?
Stephan Kockmann: Kurze Antwort: Ja. :)
Ziehzeit: Warum?  
Stephan Kockmann: Je mehr die Menschen über Tee lernen, besondere und qualitativ hochwertige Tees entdecken können, die Vielfalt des Tees erkennen und die Begeisterung erleben, die ein guter Tee in uns hervorrufen kann - umso neugieriger werden sie. Die in den sozialen Medien öffentlich geführten, auch immer mal wieder kontroversen Diskussionen nehmen meines Erachtens die Scheu vor dem ach so „komplizierten“ Tee. Und sie zeigen, dass Tee eben kein Getränk ist, dass man nur dann zubereitet, wenn man krank ist. Nein, Tee ist ein Genussmittel und schmeckt verdammt gut! Spannend und lebendig geschriebene Tee-Informationen animieren zum Probieren. Und wer einmal dieses beglückende Aha-Erlebnis bei einem neu entdeckten Tee gehabt hat, der wird seinen eigenen Tee-Weg weitergehen und neugierig auf jeden ihm noch unbekannten Tee sein. Und wer in der Lage ist, die Qualität eines Tees zu erkennen und schätzen, der ist auch bereit, mehr für diesen guten Tee auszugeben, als er im Supermarkt für ein paar krümelige Teebeutel zahlen würde. Die sozialen Medien können neugierig machen, das ist der erste Schritt. Dann ist es an den Teehändlern, den Ball aufzugreifen. Das sollte allerdings nicht schwer fallen. Tee schmeckt einfach gut und es gibt für jeden Geschmack und Anlass eine passende Teesorte – das ist die Botschaft, die verbreitet werden muss.  
Ziehzeit: Was könnte der dt. Teehandel Deiner Ansicht nach auf dem Sektor Vermarktung und PR besser oder was sollte er anders machen?
Stephan Kockmann: Der Fokus sollte auf dem Genuss-Aspekt liegen. Klar gibt es viele Studien über mögliche gesundheitliche Auswirkungen des Tees bzw. der Inhaltsstoffe des Tees. Aber ist das wirklich der Grund, warum Tee-Liebhaber Tee trinken? Ich meine: Nein! Wir trinken Tee, weil er uns gut schmeckt, weil wir dabei entspannen und zugleich angeregt werden. Weil wir unseren Tee sowohl für uns allein trinken können, um einfach nur still zu genießen, als auch in geselliger Runde, als Begleiter zu einem schönen Essen, Kuchen und Gebäck. Es gibt diverse Tee-Zeremonien und -Rituale in aller Welt – jede auf ihre Weise faszinierend.
Der Teehandel muss diese Vielfalt widerspiegeln, muss es Teefreunden ermöglichen, diesen Genuss für sich zu entdecken. Ich freue mich immer, wen mir Teehändler die Möglichkeit bieten, einen mir unbekannten Tee in Form einer Probe testen zu können. Beratungsqualität, fachliche Kompetenz und Großzügigkeit bei der Verteilung von Teeproben ist meines Erachtens die beste PR, die man machen kann. Diese Investition lohnt sich!
 


Ziehzeit: Bevor wir es vergessen: Du trinkst dich natürlich gerne Tee. Welche Sorten favorisierst du?
Stephan Kockmann: Darjeeling zum Frühstück, Oolong am Nachmittag und zwei gerade neu entdeckte chinesische rote Tees (Schwarztees) sind meine derzeitigen Favoriten: http://twitter.com/#!/teefreunde/status/90535648544555008
Aber eigentlich mag ich fast alle Tees, die von Natur aus (also ohne Beimengung von Aromen) ihren tollen Geschmack entfalten. 

   
Ziehzeit: Wie bist Du zum Tee gekommen?
Stephan Kockmann: Solange ich denken kann, habe ich lieber Tee als Kaffee getrunken. Vom Supermarkt-Beuteltee ging es über die aromatisierten Tees hin zum Ostfriesentee, dann zum Darjeeling und danach – mit einem kleinen Schlenker über Grüntees, Matcha und ersten Versuchen mit Pu Erh – zum Oolong und weiter bzw. zurück zu den chinesischen Schwarztees. Auch bei Assam und Ceylon gibt es tolle Tees, aber derzeit sind es die chinesischen roten Tees, Oolong-Tees und Darjeeling-Tees, die mich wirklich begeistern.
Ziehzeit: Dein liebster Tee-Ort?
Stephan Kockmann: Auch wenn ich selten da bin, ist das eine gemütliche ostfriesische Teestube nach einem langen Strandspaziergang. In der Regel aber zu Hause auf dem Balkon mit Blick in den sonnigen Garten und in Gedanken am Nordsee-Strand.  


Ziehzeit: Mit welcher Persönlichkeit aus Geschichte oder Gegenwart würdest du gerne mal eine ausgedehnte Teatime verbringen?
Stephan Kockmann: James Norwood Pratt , weil er so wundervoll über Tee spricht und schreibt.  


Ziehzeit: Würdest du lieber in einem Tee affinen Land lieben? Welches wäre es?
Stephan Kockmann: Wer sagt denn, dass Deutschland nicht Tee affin ist? Ich lebe sehr gerne hier, Deutschland ist meine Heimat und ich lebe ja nicht allzu weit von den Ostfriesen entfernt, die zu den größten Tee-Konsumenten gehören. Aber ich würde natürlich auch gerne mal Zeit in China, Japan oder Taiwan verbringen und die dortige Teekultur hautnah erleben.  


Ziehzeit: Bleibt neben deinen umfangreichen Aktivitäten noch Zeit für einen Beruf? Was machst du beruflich?
Stephan Kockmann:Die Frage musst du eher andersherum stellen, Bert: Bleibt neben meinem Beruf noch Zeit für meine Tee-Aktivitäten? Die Antwort: offensichtlich ja, auch wenn ich mir oft noch viel mehr Zeit für Tee-Aktionen wünsche. :)
Mein Beruf (siehe oben) hat ja mit Tee nichts zu tun, auch wenn meinen Kollegen und dem einen oder anderen Geschäftskontakt meine Tee-Begeisterung nicht verborgen bleibt. Mein Blog und meine Social-Media-Aktivitäten rund um den Tee sind ein reines Freizeitvergnügen – das Geld für meinen Lebensunterhalt verdiene ich damit (noch?) nicht. 


Ziehzeit: Danke für das Interview Stephan.

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