Dienstag, 6. November 2012

Reise zum Tee - Taiwan - Teil 4

Weiter geht es auf unserer Reise durch Taiwan. Aufgrund der Fülle der Eindrücke, kamen unsere Berichterstatter kaum hinterher mit den Notizen. Das erklärt den teilweise stichwortartigen Charakter des Berichtes. Wir haben ihn gerade aus Gründen der Authentizität so belassen und wünschen eine spannende Tour ...

14.10.2011
In den Bergen können Pflückerinnen mit Pflückgut für Schwarztee oder Oolong in sehr guten Tagen bis zu TWD 3.000,- verdienen – meist sind es die Frauen von Teebauern nach einem organisierten Plan. Man pflückt nur einmal pro Saison (Frühling, Herbst, Winter).
Gui Fei Cha – nach Erdbeben von Zikaden befallen – die Bauern hatten erst später Zeit, sich um den Teegarten zu kümmern. Die Teepflanzen in Ping-Ling sind sehr klein und viele sind jung – sie werden zu sehr ausgebeutet -
Bewässerung: Heutige Teepflanzen sind nicht widerstandsfähig. Der Schatten von Bäumen tut dem Tee nicht gut. Qualität ist hier besser (beim Pflücken war die Sonne nur am Morgen da).
- Wir besuchen ein Teegeschäft, das seit 1841 existiert!
Blatt: breiteste Stelle in der Mitte, beim Jade Oolong unten.
Jin Jin Oolong, Jin Jin Damo
Dong Ding Mountain

„Uneheliche Kinder“ aus Teesamen dazwischen. Dong Ding wird in der ganzen Welt verkauft. Original Dong Ding kann man nur in der Form nachahmen (Kugeln), wichtiger sind aber das Klima und der Boden. Einheimische verlassen Dong Ding und gehen ins Hochland (wegen Erdbeben). Die Teegartenterrassen wurden früher mit Backstein gebaut und durch das Erdbeben wurde alles zerstört. Wegen dem Erbrecht wurden die Teegärten immer kleiner. Hier ist die Wurzel des Formosa-Oolong. Die Komplexität des Tees überschreitet die Grenze und Kultur. Wir machen eine Reise des Wurzelsuchens.
Wir probieren einen 23 Jahre alten Dong Ding. Li Shan Oolong kann auch aus China sein.

Ein typisches Mittagessen nehmen wir in einer Keramikwerkstatt ein.

Fong Lung Cha – Teeanbaugebiet Shan Lin Xi. Nachmittags gibt es immer Nebel, daher kommt selten guter Tee von dort. Sehr steile Hänge, da gibt es keine freien Flächen für das Sonnenwelken, so werden auf den Dächern der Teefabriken Glashäuser gebaut.
Der Abend klingt sehr feuchtfröhlich in einem Hotel im Bambuswald aus, angeschlossen an dieses Hotel ist ein Freizeitpark, das „Monster-Dorf“.
In Taiwan wird Hässliches und das Unvollkommene verehrt, z.B. ein Gedicht, das ein Zen-Mönch im Sake-Rausch geschrieben hat....

- 15.10.2011
Heute reisen wir viel mit dem Bus, Mittagessen gibt es in einem der besten 100 taiwanesischen Restaurants, vor allem Fisch.
Nachmittags steht der Besuch des Kunsthandwerkszentrums auf dem Programm – mit Schwerpunkt Bambus- und Lackarbeiten – Lack aus Cashewnüssen. Wir dürfen uns selbst betätigen.
- Urlaub in Taiwan gibt es höchstens für 14 Tage, es hängt von der Firma ab. Das durchschnittliche Einkommen im Jahr ist 18.000,-- US Dollar. In Asien gibt es kein Nein, wenn der Meister ruft....
Zu Abend essen wir heute in einer luxuriösen Autobahnraststätte mit allgemeinen Qi-Gong-Übungen auf dem Parkplatz.

- 16.10.2011  
Heute besuchen wir einen nationalen Handwerksmeister in Yingge, Hsu-Chaocong, einen Töpfer - zwischen Handwerk und Kunst gibt es hier keine Trennung. Seine Motive überschreiten Kategorien, eines seiner Themen ist die Freundschaft zwischen Leben und Tod, Berge malt er aus der Erinnerung an seine Kindheit. Er ist mehrfacher Preisträger und fühlt sich dennoch manchmal sehr einsam. Es war uns eine Ehre, bei der Öffnung der Ofentür dabei zu sein. Die Erde in Yingge ist sehr gut geeignet für Porzellan, die Geschichte ist 200 Jahre alt. Der Meister unterrichtet im Museum und an der Universität.
Shimu – die Mutter des Lehrers – das kann man selbst nicht werden. Andere Personen machen einem zum Lehrer – dann trägt man Verantwortung. Wenn ein Kleid zu sehr auffällt, übernimmt das Kleid die Identifikationsrolle.
Tee sollte Denkanstoß sein, keine Kolonialisierung. In der Praxis gibt es keine Fehler - individuelle Freiheit. Geschmäcker, die wir entdecken, gehören uns. Wie kann ich den Tee zubereiten, damit ich die Vielschichtigkeit entdecken kann?
Die Antwort ist – please relax! Die Konfrontation mit der Unmöglichkeit hinterlässt Geschichte.

Porzellanglasuren machen den Tee noch schöner – weiß ist eine feige Farbe. Man schenkt Dinge, die Muster haben. Bambus für den Mann – Aufrichtigkeit und Treue zu sich selbst. Pflaume für die Frau – blüht auch in schwierigen Zeiten. Dünnes Porzellan ist Ausdruck der Extravaganz. WABI-SABI-Ästhetik - Eine dicke Schale bedeutet Zurückhaltung.

Celadon-Porzellan – vor Song-Dynastie Keramik, nach dem 11. Jhdt. Porzellan aus Porzellanerde – von Hand getöpfert. Blaue Blume – Eigenschaft des Ming-Porzellan – goldener Teil Erfindung des 21. Jhdt. Chinesische Glasur – geröstetes Eisen. Hsu-Chaocong erfand eine durchsichtige Glasur – 10 Stunden Brennzeit – 8 Stunden aufwärmen, mit Gold dreimal brennen. Er brennt meistens bei 1300° C. Es ist die Kunst des Meisters, Glasuren so zu mischen, dass sie ähnliche Temperaturen benötigen. Tonerde für Keramik ist nicht rein – braun. Porzellan beinhaltet Aluminium – weißer. Hsu-Chaocong benutzt importierte Porzellanerde aus Japan, er hat 30 Jahre Erfahrung. Sauerstoff = olivgrün, ohne jadegrün. Er macht Goldglasuren seit 1995. Die Glasur muss Zink enthalten – rubinrote Glasur war sehr bekannt in der Ming-Dynastie. Wasserfall = Asche-Effekt. Celadon – Song Dynastie – Farbe des Himmels nach dem Regen, wenn die Sonne die Wolken bricht. Eisen in der Glasur wird zu grün. Salz in der Glasur – es gab einen Streit zwischen Brüdern – der jüngere fügte dem älteren Salz hinzu, dadurch sprang die Glasur nach dem Brennen. Man macht eine natürliche Alterung mit Tee.

Früher hatte der Kaiser einen eigenen Ofen.

Bonsais haben hier Tradition.

Wir nehmen das Mittagessen in einem eher touristischen Lokal ein, danach ist Powershopping angesagt!

Am Nachmittag eines der Highlights unserer Reise, ein Besuch in einem wunderschönen, auf Pu Erh spezialisierten Geschäft. PU ERH – ist Marktplatz – alte Teekönigin – 1700 weibliche und männliche Tee-Bäume
Teeblätter sind braun – Fußpressung – oder mit dem Stein. Das Papier zum Einpacken ist handgemacht – die Farbe des Aufgusses ist golden. Die Tee-Bäume sind 30-50 Jahre alt – im Gegensatz dazu Teebüsche in Taiwan – zarte Knospe und leicht geöffnetes Blatt. Das Pflückgut wird gehandelt – Sonnentrocknung.
Wuliangshan – schwer zugängliches Gebiet. Mit Seil und Baumrinde baut man eine Treppe, so klettert man auf die Bäume, die 5-6m hoch sind. Zentraler Baum ist über 1000 Jahre alt. Wild Tree Tea – Teebäume sind ein paar hundert Jahre alt – das 3. Blatt ist 13 cm lang.

20 min „durchkochen“ – sanftes leichtes Wenden. Schutzschale des Tees. Der Stoff wird erst nach der Trocknung weggenommen. Man gibt 7 Fladen auf einen Stapel und verwendet die äußere Schale von Bambus, um den Tee zu packen. Wok für 3000 Teeblätter - die Temperatur sollte nur 80°C betragen, da nicht alle Enzyme zerstört werden sollten, der Tee kann sonst nicht nachreifen. Teeblätter werden dann über Dampf weich gemacht, in eine Hülle gepresst und dann werden Steinplatten mit mechanischer Pressung verwendet. Die Manufakturen kaufen sonnengetrockneten Tee. Bei ihm ist die Produktion in einer Hand. Er lernte jahrelang bei den Teebauern in Yunnan, jetzt geht er selbst dorthin um Tee zu machen.
Er pflückt nur einmal im Jahr, andere Leute auch 6x im Jahr...

1973 entstand die Technik, Pu Erh schneller altern zu lassen. MACAO – Tee in Luftschutzräumen, Fermentation wie bei Stinktofu. Misu You macht seit einem Jahr auch postfermentierten Tee. Man braucht 8000 kg – befeuchtet ihn und deckt ihn ab. Saurer Pu Erh ist vergoren. Misu You ist ein Schüler von Meister Chen. Aus 4 kg Pflückgut wird 1 kg trockenes Blatt – 4 % Feuchtigkeit bei trockenem Tee. Tee wird besser durch die Zeit. Gebrochener Tee wird bitterer, darum sollte man ihn mit einem Messer in der Mitte aufbrechen. Wir kaufen einen Yunnan-Tee im Bambusröhrchen – das ist eine alte Methode. Der Tee kann auch dort heraus genommen werden, um zu altern. 15 Aufgüsse – zweimal so viel wie Oolong – mit 100°C heißem Wasser. Tee wird mit Bambus geröstet, um ihn zu trocknen. Sie „wecken ihn auf“ – rauchig + Longan-Geschmack. Wenn man Kampfer, Blumen und Frucht im frischen Tee riecht, kann man ihn lagern. Alterung – Lagerung für 1 Jahr.

Wir durften auch einige Tees probieren, ein Highlight war ein Tee von 1973, der locker zwanzig Mal aufgegossen wurde.
Auf dem Weg durch Yingge machten wir einen Abstecher bei einem Steinkannenmeister – wunderschöne Jade-Teekannen konnten erworben werden und wurden handsigniert.
  
Demnächst: Teil 5 ....

Kommentare:

  1. Das liest ja so, als wenn man das Programm und die Infos eines ganzen Jahres in 14 Tagen zu verarbeiten versucht :D War bestimmt eine sehr schöne Reise. Sehr interessant finde ich ja den Einfluss japanischer Tee-Kultur, vor allem wabi-sabi. Die taiwanesische Interpretation davon würde ich gerne mal sehen.

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    1. Ja Luke, finde auch, dass es enorm viele Eindrücke geworden sind. Gruß aus Kassel.

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