Liebe Ziehzeit-Freunde und -Freundinnen,
da ich nicht der 109. sein möchte, der einen Tee vorstellt, habe ich mich entschlossen, etwas mehr hinter die Tee-Kulissen zu schauen. Wer sind eigentlich die Menschen, die hinter dem Tee stehen.
Was macht sie aus? Wie entstand Ihre Leidenschaft für dieses Getränk? Wie sehen sie die Zukunft des Tees?
Heute möchte ich Nina Knab vorstellen, die ich auch schon eine Weile kenne und als Teekennerin schätze. Danke für den schönen Text, Nina.
Viel Spaß beim Lesen!
Bert Boege
Intro & Vorstellung
Kultur entsteht in Gesprächen, in Ritualen, durch Vertrauen und
Verlässlichkeit.
Ich bin Nina, Head of Marketing & Communication beim North Sea Terminal
Bremerhaven (NTB). Ich bin Sozialwissenschaftlerin, war früher
Physiotherapeutin und war lange in der Teebranche tätig. Dass ich heute am
Hafen arbeite, fühlt sich stimmig an: Hier wie dort ist die Welt zu Gast, in
der Tasse wie im Container.
Am meisten liebe ich die Menschen am NTB, die Community und das besondere
Flair am Hafen. Man ist vor Ort zu Hause und doch mit der ganzen Welt
verbunden. Wenn die riesigen Kräne ihre Arbeit tun, schlägt hier das Herz des
Landes: Mit jeder Bewegung werden die Menschen mit dem was sie brauchen oder
sich wünschen, versorgt. Wer hier arbeitet, hält Deutschland am Laufen. Ich
möchte, dass jede und jeder das spürt und stolz darauf ist, was wir miteinander
und füreinander erschaffen! Und mittendrin gönne ich mir täglich mein Ritual:
2–3 Tassen Shincha, Gyokuro oder Kabusecha im Büro, am liebsten mit den
Kolleginnen. Tee verbindet schon immer Menschen!
Warum gerade Tee?
Tee ist für mich ein Gourmet-Plus und ein Konzentrations- und Flow-Booster.
Dazu kommen die gut belegten gesundheitlichen Vorteile, vor allem beim Grüntee
und seinen Polyphenolen. Fit machen mich auch Schlaf und Bewegung, aber Tee
macht den Tag fokussierter und schöner. Ich liebe die Aromen und wie ich mich nach
einer Tasse Tee fühle.
Wie bist Du zum Tee gekommen?
Im Studium habe ich Kaffee nicht mehr vertragen. Mit Tee kam ein totaler
Wohlfühl-Boost, wie ich ihn vorher nicht kannte. Das Tee-Universum hat mich
dann angezogen: Ich habe alles durchprobiert und recherchiert, vor allem zu
Grüntee und Polyphenolen. Später habe ich in der Teebranche gearbeitet und
einen eigenen Tee-Blog betrieben.
Dein liebster Tee-Ort?
In Deutschland: meine Lieblings-Teehändler!
Was hat sich seit unserem gemeinsamen Text zu Matcha 2013 in der deutschen Teewelt getan?
Aus meiner Sicht ist die Vielfalt gewachsen. Grüntees und Matcha sind heute
viel sichtbarer. Zugleich besorgt mich jedoch die extreme Functional Food -
Vermarktung. Tee ist und war schon immer viel mehr als nur ein Getränk. Tee
verbindet Menschen, Kulturen, sorgt für Ruhe und Momente der Reflexion.
Dieser wichtigen Aspekte weichen momentan einer durch Marketing geförderten
Ich-zentrierten Selbstoptimierung. Das ist für mich komplett am Wesen des
Teetrinkens vorbei. Ich hoffe, ich erlebe da irgendwann eine Trendwende.
Deine Lieblingstees / -Rituale
Tollen Tee entdecken und mit Menschen teilen! Grüntee liebe ich bis heute,
vor allem Shincha, Gyokuro und Kabusecha. Matcha trinke ich eher selten, den
brauche ich nicht übermäßig. Mein Ritual: aufstehen, weg vom Bildschirm, eine
Tasse, die gut in der Hand liegt, und mich ganz bewusst auf den Geschmack
konzentrieren. Im Büro trinke ich meinen Tee oft auch mit meinen Kolleginnen.
Das ist schön!
Dein schönstes Tee-Erlebnis
Meine ersten Shincha Verkostungen! Die
Aromen begeistern mich bis heute!
Wo bekommst Du Deinen Tee her?
Ich achte auf Bio-Qualität und gute Herkunft. Lieblingsshops sind
Hamburger Teespeicher und Teehaus Schmidt in Göttingen.
Wird man im Jahr 2100 noch Tee trinken?
Ich bin überzeugt: ja. Tee ist seit Jahrtausenden ein Ritual, und je schneller
die Welt wird, desto wichtiger wird die bewusste Pause. Der Klimawandel wird
den Anbau verändern, aber nicht die Sehnsucht nach einer guten Tasse.
Ein spezielles Tee-Rezept oder ein Tee-Tipp
Für guten Tee muss man kein Vermögen ausgeben, und hochwertiger Tee ist durch
das mehrfache Aufgießen oft günstiger, als er aussieht. Ein Shincha z. B
schmeckt auch nach dem dritten Aufguss noch richtig gut. Und: Wasser einmal richtig
aufkochen und einige Minuten abkühlen lassen, das ersetzt jeden speziellen
Wasserkocher.
Liebe Grüße, Nina

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen