Mittwoch, 24. Februar 2010

"Harry - hol´schon ´mal die Teekanne!"









- Beobachtungen aus der Krimi-Welt - Glosse

Wer kennt das nicht: Während Harry schon mal den Wagen holt, wird schnell noch ein Heißgetränk hinunter gekippt. In bundesdeutschen Krimis meistens eine Tasse Kaffee. Gibt es ihn überhaupt, den Krimi ohne Kaffee? Verzweifelt gleitet der Blick über den Computer-Bildschirm des lässig im Bürostuhl sitzenden, übernächtigten Kommissars, der sich nur noch durch Infusionen des dunkelbraunen Getränks einsatzfähig halten kann. Der Blick schwenkt durch den Raum und bleibt an einem Sideboard hängen, auf dem findet sich dann sicherlich eine Genuss-Maschine, die ein plätschernd-röchelndes Geräusch von sich gibt. Es sei denn, der Kaffee steht dort schon seit 2 Stunden ...
Fortschrittliche Varianten weisen modernere Formen des "Gebräu-Automaten" auf. Edel-Ganoven versuchen die "Billig-Plörre-Geschädigten" wackeren Beamten mit High-Tech-Kaffeeautomaten zu blenden und zu beeinflussen. Da fallen dann auch schon einmal Sätze wie dieser: "Dieser Kaffee stammt aus einer kleinen Röööösterei aus Süditalien, die sich in
Privatbesitz befindet und pro Jahr nur ca. 15 kg Kaffee herstellt." Sichtlich beeindruckt von diesem seltenen Genuss verlässt der Ermittler das prunkvolle Anwesen des bösen Buben und beschließt sein Konsumverhalten zu ändern.
Aber halt - es gibt ja doch noch Ausnahmen: In der Serie Polizeiruf 110 durchlebte Ermittler Schmücke alias Jaecki Schwarz eine Phase der getränklichen Neu-Orientierung, schnurstracks Richtung Pfad der Tugend. Er konvertierte zum Grünen Tee!
Dabei behilflich war ihm - wie im realen Leben - der freundliche und kompetente Teefachhändler. Dieser gute Mann wies unseren lern- und wissbegierigen Staatsbeamten in die höheren Weihen der Teekultur ein. Bravo! Schmücke fand zunehmend Geschmack am Getränk der Götter und nervte fortan seine Umwelt mit seinem "Tee-Tick".
Hurra! - ruft die innere Stimme - es gibt Anlass zur Hoffnung.
Lehnen wir uns also verzückt in den Fernseh-Sessel zurück und schlürfen genüsslich an unserem Lung Ching, um in der nächsten Szene abrupt aus selbigem Sessel zu fahren. Der freundliche Teehändler ist der Mörder und Kopf eines Rauschgifts-Rings ....

Zum Glück gibt´s ja noch unsere Freunde auf der anderen Seite des Kanals. Sie wisssen schon die Briten, die Ihren Tee immer nach links ausgießen. Herrlich, wie dort bei Tee, Scones oder Shortbread ermittelt, verhört, recherchiert oder gemordet wird. Das nenne ich konsequent!
Sei es nun Inspector Barnaby, der im plüschigen aber leider fiktiven Midsomer ermittelt oder Miss Marple, die, gemeinsam mit ihrem treuen Partner Mr. Stringer, bei Tee ihre genial-schrulligen Pläne schmiedet. Alles schön "handish", wie es sich gehört. Oder DI Thomas Linley, der schon mal seine Kollegin DS Barbara Havers auf ein Wort oder auf einen Tee bittet. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Fazit: Wer als Teetrinker etwas auf sich hält, schaut sich ausschließlich britische Krimis an, getreu dem Motto: "Oooh Britania, Britania rule the (tea)world !"
B.B.

Nachtrag:
Dass die Krimis früher noch schlimmer waren (von wegen früher war alles besser ...) beweist folgende Statistik betreffend den Alkoholkonsum während der Serie "Der Kommissar" (bitte auf den Link Alkoholkonsum klicken). Ohne Worte. ;-)

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